Deutschland deine Probleme

Aus gegebenem Anlass hier mal ein paar Zeilen zu unserem aktuellen Lieblingsdebakel deutscher Nation

Man mag von Horst Köhlers Rücktritt vom höchsten Staatsamt halten was man will, aber zumindest hat es dazu beigetragen, dass sich eventuelle Unsicherheitsgefühle der Bevölkerung nicht eben verringert haben. Sehr präsidial, das. Man hat ja sonst keine Probleme möchte man meinen. Es gibt wohl keine Möglichkeit in näherer Zukunft ein etwas klahreres Bild über die tatsächlichen Hintergründe des Abgangs zu erfahren, aber man darf sich schon auf die politische Autobiographie (Titelvorschläge: Meine Jahre als Horst/ Ein Mann sagt jaein) freuen, die in 10+x Jahren mit Sicherheit erscheinen wird. Kleine Randnotiz:  Was ist eigentlich aus den Vorwürfen geworden, dass das Amt und die Behörde des Bundespräsidenten mal entkalkt werden müsste, dass da teilweise die gleichen Mitarbeiter etc. wie zu Großvaters Zeiten arbeiten und aktuelle Präsidenten unterstützen, oder eben nicht? Anfänglich konnte davon ja noch durchaus was in dem einen, oder anderen Artikel was gelesen werden, aber inzwischen sind solche Lappalien wohl unwichtig geworden. Es ist natürlich müßig darüber zu spekulieren, warum Köhler seinen Posten abgegeben hat, vermutlich ist es am Ende ein Bisschen von all dem, was an Vermutungen herumschwebt. Ich traue es der am besten funktionierenden Demokratie (liebe Österreicher: unsere betrunkenen polit-VIPs sind KirchenvertreterInnen, die über Ampeln fahren, nicht rechts-außen Politiker mit Identitätsproblemen und bleivergiftung im rechten Fuß, aber das nur am Rande) in Europa durchaus zu, dass ein Amt die das Bundespräsidialamt seit 60 Jahren mal ein personelles wie organisatorisches Update braucht, genauso kann es sein, dass der Rücktritt schon etwas länger geplant und von gekränktem Stolz, oder realistischer Einsicht, geleitet war. Jeder mag sein persönliches Fazit zur Amtszeit Köhlers haben, was festzuhalten bleibt ist, dass er sich -auch juristisch- eingemischt hat, wenn Grenzen überschritten wurden und dem Volk seiner Politikverdrossenheit bei mancher Gelegenheit beigestanden hat, egal wie man dies nun bewertet. Er war, wenn man das so sagen kann, das was sein Name versprach, ein normaler Deutscher, der durch Fortuna und Fähigkeiten an eine herrausragende Position gelangt ist, die vielleicht nicht seine ideale Welt war, aber in der er sich doch auch zu behaupten wusste und wo er sicher mehr Gutes bewirkt als Schaden angerichtet hat. Nur das mit dem Abgang, darüber müssen wir dann noch mal reden (Horst)…

Das mediale Echo auf den Rücktritt hat natürlich wiedereinmal jegliche Form von sinnhafter Berichterstattung ignoriert, aber ok, man hat ja sonst nichts, worüber man sonst so schreiben. Ganz unterhaltsam waren dann aber doch die Listen, die innerhalb weniger Stunden zirkulierten, und die Leute, die auf ihnen zu finden waren. Leicht schockierend war dann allerdings, dass sich unsere Regierung/Kanzlerin dazu entschloss gerade Ursula von der Leyen ernsthaft vorzuschlagen und allen Ernstes der Ruf nach einem aktiven Politiker (im Sinne vom BVB/schwarz-gelb) in der höchsten Position des Staates laut wurde. Und dann wurde Christian Wulff nominiert. Sicher, das ist genau die Position für einen Politrentner ohne derzeitiges Amt wie ihn. Ach ja, und wie war das doch gleich mit dem „verbliebenen Kronprinzen“ der CDU? Right… ok, was auch immer wen (Merkel,CDU/ihn) warum (Loswerden der Konkurrenz/Fluch aus Hannover) dazu gebracht hat, das ernsthaft machen zu wollen, die entsprechende Person/Gruppe hat bestimmt einen großen Masterplan, nur eben nicht für das Land, sondern sich selbst. Wie unglaublich falsch das ist brauch man nicht zu erklären, oder? Nehmt Klaus Töpfer, wenn es denn schon ein Konservativer sein muss, aber bitte nicht jemanden, der immer noch der nette Schwiegersohn mit großgeschriebenem Understatement ist.

Oder eben Joachim Gauck. Wer mal eine seiner Reden und seinen Werdegang verfolgt hat, der kann nicht ernsthaft bezweifeln, dass der Mann im Moment maximal in Töpfer ernsthafte Konkurrenz hat, was Fähigkeit und Eignung für das Amt betrifft. Von der Symbolkraft eines ostdeutschen Bundespräsidenten ganz zu schweigen. Reden kann er auch und als Bonus macht es auch noch Sinn, was er sagt!

Die Medien sind im Moment so übervoll, dass das Thema nun wirklich durchgekaut ist, deswegen hier kein weiterer Kommentar, die Fakten sind bekannt, es bleibt mir nur schleierhaft, wie die Regierung, oder auch nur irgendwer, in einer Lage wie der derzeitigen Personal- statt Kompetenzfragen stellt, egal in welchem Bereich. Seien es die Einsparungen, die unser most favorite Freiherr vorschlägt, das gesamteuropäische Gebahren in der Finanz-/Umwelt-/Kulturkrise, oder eben die Wahl eines fähigen und geeigneten Bundespräsidenten. Und gerade deshalb ist es so unglaublich wichtig, dass endlich mal die kurzfristge Eigennutzenmaximierung aufgegeben wird, nicht nur um langfristig besser darzustehen (das ist offensichtlich), sondern um dem Volk das Gefühl zu geben, dass wir die Krise ernstnehmen. Dass wir sie ernstnehmen. So einfach ist das. Und wenn wir das hinbekommen, dann klappts auch mit der Politikverdrossenheit, dann klappt es damit, dass sich die Leute wieder interessieren. Für die Demokratie.

Zum Abschluss noch eine Rede von Joachim Gauck, zur Einstimmung.

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