Wie sich Zensursula ihr Grab schaufelte

Es ist ja schon interessant und spaßig in diesen Zeiten teil der Webcommunity zu sein. Man könnte auch toll sagen, was in seiner Doppeldeutigkeit eigentlich noch viel besser passt. Grund dieses Freudenausbruchs ist, wie könnte es auch anders sein, Ursula von der Leyen und die Blogberichterstattung all über all. Da gibt es Leute wie Kaliban und Tanith, die das ganze Unglück noch einmal umfangreich durchdeklinieren, Leute wie meinen Namensvetter vom Sockenblog, die schonmal schwarze Farbe auf Vorrat kaufen und solche, die sich in höhere Sphären steigern wie René von Nerdcore, der das Netz gleich ganz für unabhängig erklärt. Das absolut beste Zitat in diesem Kontext ist dabei – meiner Meinung nach- das folgende von Tanith:

Das Dilemma bei diesen antiquierten Ritualen des Politzirkus ist, das er sich aufführt wie ein schlechter Chef, alle reden auf ihn ein, man argumentiert und bietet bessere Lösungen an, aber es droht ja Gesichtsverlust oder gar die Bild […].“

Dass bei all der Erregung auch gelegentlich mal etwas fragwürdigere Positings wie dieses vom Freischwimmer entstehen, in dem eine Liste derjeniger die gestrig für die Webzensur gestimmt haben, gepostet wird, entstehen machts nicht besser, aber ist verständlich. Um Missverständnissen hier vorzubeugen: Ich bin nicht gegen die Liste, sie ist gut und notwendig, aber da ja bereits eine pdf-Variante gemacht war, hätte man das ganze auch schlicht onlinestellen können mit der Möglichkeit, dass jeder selbst entscheidet ob er sie sehen will. Mir bspw. sind die Namen schlicht zu egal, als dass ich da mehr machen würde als runterscrollen um zu schauen, ob danach noch Text kommt. Wie gesagt, verständlich, im Ansatz sehr richtig aber so leicht verunglückt…

Absolut klasse hingegen finde ich das Posting der Volksblogger vom WsdV, die sich offen und ehrlich bei Ursula von der Leyen bedanken für ihre Politisierung, die von Frau v. d. L. ausgelöst wurde. Man kann jedoch noch weiter gehen, viel weiter. Hätte es das Engangement der Politikertochter aus Niedersachsen nicht gegeben, wäre das Netz in den letzten Monaten bzw., wenn man die Aktionen gewisser Rollstuhlfahrer mitrechnet, Jahren nie derartig politisiert worden, wie dem der Fall ist. In der Folge hätte es die Piratenpartei deutscher Nation evtl. nie gegeben und die Parteienlandschaft würde weiter auf der Stelle treten. Klar, die Internetzensur ist jetzt da (zumindest bis das BVerfG was anderes sagt) und wie so oft haben die Unwissenden mal wieder gewonnen, aber ohne sie würde es den kommenden politischen Aktivismus und (da bin ich mir absolut sicher) den Aufstieg der Piratenpartei nie geben. Nie. Ohne einen Kampfbegriff wie #Zensursula, Lobbyisten wie Netzpolitik.org und die paar wenigen Leute in den Medien und Parteien (Tauss!), die uns gelegentlich mal zugehört haben, wären schon die bisherigen Erfolge nicht möglich gewesen. Wie stark können wir dann erst sein, wenn all die Tausende von uns, die sich bisher auf 1-Klick-Shopping und gelegentliches Textetippen verlegt haben, richtig loslegen? Ganz richtig, you don’t wanna know, liebe Politiker. You don’t wanna know! (denen, die es wissen wollen seien René’s Zahlenspiele enpfohlen).

In diesem Sinne möchte auch ich mich bei Bundesministerin von der Leyen herzlich bedanken. Danke, dass sie uns durch ihr Verhalten Möglichkeit und Anlass dazu gegeben haben Ihnen und Ihresgleichen das politische Grab zu schaufeln. „Together my Lord Sauron friends, we shall rule this middle-earth.“

Zensursula als Mutter der Revolution, wie ich diesen Gedanken doch liebe.

Achso ja, zur Unterhaltung – so die denn noch notwendig ist – noch ein Link zu Volker Pispers 2009er Variante von ‚Bis neulich‘ -wahre Worte wie immer.

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9 Antworten zu “Wie sich Zensursula ihr Grab schaufelte

  1. Pingback: Internetsperren 19.06.2009: Artikel und Kommentar « Wir sind das Volk

  2. Pingback: Gewaltige Medien und Blogger- Reaktionen auf das Zugangserschwerungsgesetz!! « xxl-killababe berlin wordblog

  3. Diese Art, an die Sache heranzugehen gefällt mir gut, auch wenn ich selbst nicht glaube, dass das alles so einfach wird. Bis das hier alles wirklich ins Rollen kommt, kann es noch ziemlich lange dauern.

    • Sicherlich wird es nicht einfach werden, aber immerhin wird es überhaupt.. Was den Zeitrahmen angeht, bis die Internetgeneration(-en) tatsächlich in der Bundespolitik angekommen sind, denke ich, dass 10-15 Jahre durchaus realistisch sein können, mit ersten Erfolgen in der Wahl 2017. Der Stein ist losgetreten, das ist, was im Moment zählt.

  4. was genau stört dich an der liste? eine pdf version war mir zum zeitpunkt meines postings nicht bekannt, sonst hätt ich die namen bestimmt nicht alle abgetippt…;)

    • Mich stört an der Liste selbst absolut nix, nur an der Art der Veröffentlichung. Die Liste ist absolut notwendig (wie ich oben ja auch schrieb), ich würde nur gerne selbst entscheiden können, ob ich sowas lese. Deswegen fänd ich die Variante mit den Namen (ausschließlich) in der hochgeladenen Datei besser. Dass du die ganzen Namen abgetippt hast, ist aller Ehren wert, andere Leute wären dazu zu faul gewesen.. 😉

  5. Pingback: Zensur ist Systemimmanent | Netzhæuter

  6. Ein sehr interessanter Artikel. Sollten Sie noch weitere Informationen haben – wurde ich mich freuen

  7. Pingback: Eine Zensur findet nicht statt.. Jaja.. | Das Meinungs-Blog

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